22/01/22

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Olivenöl mit geringerer Sterblichkeit verbunden?

Olivenöl, ein wichtiger Bestandteil der mediterranen Ernährung, ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, insbesondere Ölsäure, sowie an Vitamin E und Polyphenolen, die zu seinen entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften beitragen.

Die Arbeit wurde von Dr. Marta Guasch-Ferré und ihren Kolleginnen und Kollegen wurde im Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht.
Mortalität sinkt mit höherem Olivenöl-Konsum
Im Vergleich zu Männern und Frauen, die selten oder nie Olivenöl konsumierten (niedrigste Zufuhr), hatten diejenigen, die mehr als 0,5 Esslöffel/Tag oder mehr als 7 g/Tag konsumierten (höchste Zufuhr) ein um 19 % geringeres Sterberisiko während der 28-jährigen Nachbeobachtungszeit, beginnend mit einem Durchschnittsalter von 56 Jahren.
Darüber hinaus hatten Personen mit dem höchsten Olivenölkonsum im Vergleich zu Probanden mit dem niedrigsten Olivenölkonsum:
    ein um 19 % geringeres Sterberisiko bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
    ein um 17 % geringeres Risiko, an Krebs zu sterben,
    ein um 29 % geringeres Risiko, an neurodegenerativen Erkrankungen zu sterben, und
    ein um 18 % geringeres Risiko, an Atemwegserkrankungen zu sterben.
Details der Studie:
Die Forscherinnen und Forscher schätzen, dass der Ersatz von 10 g Margarine, Butter, Mayonnaise oder Milchfett pro Tag durch die gleiche Menge Olivenöl mit einem um 8 % bis 34 % niedrigeren Risiko des Todes aus verschiedenen Gründen assoziiert ist.

    Die Forscherinnen und Forscher identifizierten 60.582 Frauen in der Nurses’ Health Study und 31.801 Männer in der Health Professionals Follow-up Study, die 1990 nicht an kardiovaskulären Erkrankungen oder Krebs litten. Im Jahr 1990 wurden auch zum ersten Mal Ernährungsgewohnheiten abgefragt.

    Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer füllten alle vier Jahre Fragebögen aus, in denen sie nach der Verwendung von Olivenöl, zu anderen Pflanzenölen und zu Margarine, Butter und Milchfett befragt wurden. Anhand dieser Informationen ermittelte das Forschungsteam den durchschnittlichen Verbrauch dieser Fette in den Folgejahren.

    Von 1990 bis 2019 stieg der Konsum von Olivenöl von 1,6 g/Tag auf 4 g/Tag. Margarine habe in den 1990er-Jahren gesättigte Fette und Transfette enthalten, während für Margarine in jüngerer Zeit vorteilhaftes Olivenöl oder Pflanzenfett verwendet werde, so Guasch-Ferré.

Der Basiskonsum von Olivenöl in dieser US-Bevölkerung unterscheide sich bemerkenswert von dem der spanischen Bevölkerung laut PREDIMED-Studie (Prevención con Dieta Mediterránea) mit durchschnittlich 20 bis 22 g/Tag extra nativem Olivenöl und 16 bis 18 g/Tag raffiniertem oder gemischtem Olivenöl, so Larsson.


Da der Olivenölverbrauch in dieser US-Studie so niedrig war, unterschieden die Forscherinnen und Forscher nicht zwischen nativem/extra nativem Olivenöl und raffiniertem/verarbeitetem Olivenöl.

Die Teilnehmenden hatten im Durchschnitt hatten sie einen Body-Mass-Index von 25,3 bis 25,8 kg/m2 und aßen 4,8 bis 7,2 Portionen Obst bzw. Gemüse pro Tag.

Diejenigen Personen mit dem höchsten Olivenölkonsum waren körperlich aktiver, ernährten sich gesünder und rauchten seltener.

Während der 28-jährigen Nachbeobachtungszeit starben 36.856 Personen der Kohorte. Das Forschungsteam klassifizierte die Todesfälle in fünf Kategorien:
        Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
        Krebs,
        neurodegenerative Erkrankungen
        Atemwegserkrankungen und
        alle anderen Ursachen (einschließlich Selbstmord, Verletzungen, Infektionen, Diabetes und Nierenerkrankungen).

Nach Bereinigung um mehrere Störfaktoren hatten Teilnehmerinnen und Teilnehmer im höchsten Quartil des Olivenölkonsums im Vergleich zu Personen, die selten oder nie Olivenöl zu sich nahmen, ein geringeres Risiko:
für die Gesamtmortalität (Hazard Ratio [HR] 0,81; 95 %-Konfindenzintervall KI 0,78-0,84),
        für die kardiovaskuläre Mortalität (HR 0,81; 95 %-KI 0,75-0,87), für Krebs (HR 0,83; 95 %-KI 0,78-0,89),
        für neurodegenerativen Erkrankungen (HR 0,71; 95 %-KI 0,64-0,78) und
        für Atemwegserkrankungen (HR 0,82; 95 %-KI 0,72-0,93).

    In den Modellen, in denen Forscherinnen und Forscher Olivenöl durch Pflanzenöl ersetzten, kam es zu keinem Rückgang der Sterblichkeit, was darauf hindeutet, dass Pflanzenöle möglicherweise ähnliche gesundheitliche Vorteile wie Olivenöl bieten.

Ergebnisse unterstützen Empfehlungen für pflanzliche Fette
„Unsere Ergebnisse unterstützen aktuelle Ernährungsempfehlungen, den Verzehr von Olivenöl und anderen ungesättigten Pflanzenölen anstelle anderer Fette zu erhöhen, um die Gesundheit zu verbessern und das Leben zu verlängern“, fassen die Forschenden zusammen. „Ich würde jedoch nicht sagen, dass Olivenöl der einzige Weg ist, um länger zu leben“, relativiert Guasch-Ferré von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston, Massachusetts, gegenüber Medscape.

Die Studie lege nahe, dass Menschen „sich mehr pflanzlich ernähren und Fette wie Olivenöl bevorzugen sollten, da sie eine bessere Nährstoffzusammensetzung haben (einen hohen Gehalt an Phenolen und Antioxidantien), anstatt Butter oder Margarine oder andere tierische Fette zu verwenden, die nachweislich gesundheitsschädliche Auswirkungen haben“, fügt sie hinzu. Allerdings muss die Studie in anderen Kohorten und Populationen wiederholt werden, um zu sehen, ob die Ergebnisse ähnlich sind“, fasst Guasch-Ferré zusammen.
Gut konzipierte Studie, Kausalität aber nicht bewiesen
In einem begleitenden Editorial schreibt Prof.Dr. Susanna C. Larsson, dass es sich um eine gut konzipierte Studie handele, die eine langfristige Nachbeobachtung und wiederholte Messungen der Nahrungsaufnahme und anderer Risikofaktoren für Krankheiten umfasst habe 2. Larsson ist außerordentliche Professorin für Epidemiologie am Karolinska Institutet in Stockholm.
„Allerdings war der Unterschied im Olivenölkonsum zwischen Personen mit dem höchsten und mit dem niedrigsten/keinem Olivenölkonsum sehr gering (0,5 Esslöffel), und ein [12 %] geringeres Sterberisiko wurde bereits bei einer viel geringeren Aufnahme (0,5 Teelöffel, etwa 1,5 g/Tag) von Olivenöl beobachtet“, bemerkte sie in einer E-Mail an Medscape. „Es ist kaum zu glauben, dass eine so geringe Menge einen unabhängigen Effekt auf das Sterberisiko haben könnte“, gab Larsson zu bedenken.

Vielmehr „müssen Menschen größere Veränderungen in der gesamten Ernährung vornehmen und sich nicht nur auf das Fett konzentrieren. Eine insgesamt gesündere Ernährung mit einem hohen Anteil an nicht raffinierten pflanzlichen Lebensmitteln (Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse), einem geringen bzw. keinem Verzehr von verarbeiteten Lebensmitteln und einer Umstellung auf gesündere Fette (z. B. Olivenöl) ist erforderlich“, so ihre Meinung.

Wichtig sei, dass „diese Studie nichts über die Kausalität aussagen kann“. Das Forschungsteam räumt ein, es handele sich um eine Beobachtungsstudie, und die Ergebnisse seien möglicherweise nicht auf andere Bevölkerungsgruppen übertragbar.
Neue Erkenntnisse in Bezug auf Alzheimer und Atemwegserkrankung
Larsson hebt zwei neue Erkenntnisse aus der Studie hervor. Das Risiko, an Demenz zu sterben, sei in der höchsten gegenüber der niedrigsten Kategorie des Olivenölkonsums um 27 % gesenkt worden. „In Anbetracht des Mangels an Präventionsstrategien für die Alzheimer-Krankheit und der hohen Morbidität und Mortalität im Zusammenhang mit dieser Krankheit ist dieses Ergebnis, sofern es sich bestätigt, von großer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit“, sagte sie.

Außerdem wurde ein umgekehrter Zusammenhang zwischen dem Olivenölkonsum und dem Sterberisiko bei Atemwegserkrankungen festgestellt. „Da eine Restverfälschung durch das Rauchen nicht ausgeschlossen werden kann“, sagte Larsson, „ist dieses Ergebnis vorläufig und muss in einer Studie bestätigt werden, die weniger anfällig für Verfälschungen ist“.
Offene Fragen
Für Larsson bleiben mehrere Fragen offe: „Sind die Assoziationen kausal oder nur vorgetäuscht? Schützt der Verzehr von Olivenöl nur vor bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Vorhofflimmern, wie in anderen Studien gezeigt wurde, oder auch vor anderen schweren Krankheiten und Todesursachen? Welche Menge an Olivenöl ist für eine schützende Wirkung erforderlich?“

Es sei auch zu klären, ob die potenzielle Wirkung mit einfach ungesättigten Fettsäuren oder mit phenolischen Verbindungen zusammenhänge: „Ist die Schutzwirkung auf polyphenolreiches, extra natives Olivenöl beschränkt oder sind raffiniertes Olivenöl und andere Pflanzenöle ebenso vorteilhaft?“ Weitere Forschung sei erforderlich, so die Kommentatorin.
HIntergrund: Native und Extra Native Olivenöl-Sorten enthalten mehr Polyphenole
Olivenöl, ein wichtiger Bestandteil der mediterranen Ernährung, ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, insbesondere Ölsäure, sowie an Vitamin E und Polyphenolen, die zu seinen entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften beitragen.

    Natives Olivenöl, das durch mechanisches Pressen reifer Oliven gewonnen wird, enthält zahlreiche bioaktive und antioxidative Bestandteile und hat einen Säuregehalt von unter 1,5 %.

    Extra natives Olivenöl wird auf die gleiche Weise hergestellt, hat aber eine höhere Qualität, einen intensiveren Geschmack und einen geringeren Säuregehalt (unter 1 %).

    Raffiniertes Olivenöl enthält weniger sekundäre Pflanzenstoffe, da einige davon bei der Verarbeitung verloren gehen; es besteht in der Regel aus mehr als 80 % raffiniertem Öl und zusätzlich nativem Öl, das zur Verbesserung des Geschmacks hinzugefügt wird, und kann auch als „rein“ oder „leicht“ bezeichnet werden. Raffiniertes Olivenöl enthalte „immer noch eine gute Menge an gesunden Fettsäuren, aber weniger bioaktive Verbindungen“, so Guasch-Ferré.

    Bislang hat noch keine große prospektive Studie den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Olivenöl und der Gesamtmortalität sowie der ursachenspezifischen Mortalität in der US-Bevölkerung untersucht, wo der Olivenölkonsum im Vergleich zu den Mittelmeerländern gering ist.

Quelle: Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape.com erschienen.